Der PETA-Fall
Skandal, Schock und Stars. PETA (People for the Ethical Treatment of Animals) kämpft dafür, dass den Tieren die gleichen Rechte wie den Menschen zugeschrieben werden. Die Organisation ist schon lange mit einer absichtlich schockierenden Strategie für Kampagnen bekannt. Diese Strategie könnte man mit diesen drei S-Wörtern zusammenfassen. Die SSS-Strategie hat sich als effektiv und Ergebnis bringend erwiesen, wird aber wiederum stark kritisiert. Denn hier wird immer und wieder die Frage gestellt: Ist diese Strategie ein Verstoß gegen bestimmte Gesetze und moralische Grundregeln? Heiligt der Zweck die Mittel? Um diesen Fragen für sich selbst zu beantworten, sollte man die Arbeitsweise der Strategie zu Kampagnen erstmal kennenlernen. Wofür jedes „S“ genau steht, erfährst Du hier:
Skandal

Um Missbrauch mit Tieren aufzudecken, veröffentlichen die AktivistInnen unter dem Motto „Shame on you!“ heimliche Videoaufnahmen aus verschiedenen Firmen, die Tiere ungerecht behandeln. Einerseits könnte das als Verstoß gegen das Gesetz gesehen werden, denn PETA ist keine polizeiliche Organisation und ist im Grunde genommen nicht berechtigt, „undercover“ in Firmen zu handeln und heimlich Videos aufzunehmen. Andererseits erfahren mehrere Menschen, was für Tierquälerei eigentlich in diesen Firmen passiert. Insgesamt ist dies als eine sehr kontroverse Strategie gesehen, die auf Skandal basiert und Schuld zuschreibt.
Schock

Durch das Posten von schockierenden Bildern und Videos von leidenden Tieren in den sozialen Netzwerken und auf ihrer Internetseite, versuchen die AktivistInnen von PETA Mitgefühl, Ärger und Empörung in den Menschen hervorzurufen. Mit brutalen Bildern und dramatischen Videos zielen sie darauf, mehr Aufmerksamkeit für die Tiere und mehrere TeilnehmerInnen für ihre Kampagnen zu gewinnen. Oft hat diese Strategie den gegenteiligen Effekt, denn viele Menschen können den Schock und die Negativität nicht ertragen und halten lieber Abstand von den Initiativen und Aktivitäten der Organisation.
Stars

In Social Media gibt es schon mehrere einflussreiche Personen, die sog. InfluencerInnen. Zusammen mit ProminentInnen aus der Musik-, Film- oder Modeindustrie bilden sie eine starke Kraft für Meinungsbeeinflussung in ihren Profilen auf Facebook, Twitter, Instagram oder YouTube. Die AktivistInnen von PETA nutzen genau diese Kraft aus, um mehrere Menschen auf ihre Seite zu gewinnen. Viele bekannte Personen werben für Tierrechte und vegane Ernährung als Teil der Kampagnen von PETA. Selbstverständlich würden die richtigen Fans auch mitmachen. Da Tierrechte ein kontroverses Thema ist, ist es von den KritikerInnnen als nicht so passend gesehen, dass Stars für Tierrechte so werben, als ob die Tierrechte Produkte auf dem Markt wären. Auch die Strategie, bekannte Gesichter als ein Tool für Clickbait zu benutzen, wurde oft hinterfragt.
PETA wurde für ihre Kampagnen kritisiert, denn die eigentliche Botschaft für den Schutz der Tiere wurde oft im Schatten dieser SSS-Strategie verloren. Anstatt auf wissenschaftliche Fakten zu basieren, rufen die Kampagnen hauptsächlich negative Emotionen in den Menschen hervor. Die emotionelle Reaktion, das Mitleid und der Affekt sind die Waffen, mit denen solche Kampagnen ihre Ziele erreichen. Um mehr Aufmerksamkeit zu gewinnen und mehrere Menschen emotionell reagieren zu lassen, werden bestimmte Unternehmen aufgedeckt, erschreckende Bilder gezeigt und die Gesichter von ProminentInnen benutzt. Dieses Phänomen hat sich im Zeitalter der sozialen Netzwerke als sehr effektiv erwiesen. Man könnte es mit dem Clickbaiting vergleichen.

Der Begriff Clickbaiting beschreibt im Grunde die Verwendung von reißerischen Überschriften im Online- und insbesondere Social-Media-Umfeld, die den Nutzer dazu bewegen sollen, einen Artikel anzuklicken. Dabei arbeitet man mit unterschiedlichen Stilmitteln. Oft werden unglaubliche oder unerwartete Neuigkeiten angekündigt. Die Verantwortlichen wollen die Leser dadurch auf die Folter spannen, schockieren und neugierig machen.
Quelle: www.ionos.de
Es ist für alle TierschützerInnen und ihre AnhängerInnen klar, dass es mehr gemacht werden muss, damit die Tiere wirklich geschützt werden und ein glückliches schmerzfreies Leben führen. Jedoch mit Ärger und Hass gegen Unternehmen und gegen bestimmte Menschen schafft man wenig. Die Kampagnen von PETA, die auf solche negative Reaktionen basieren, werden aus ethischer Hinsicht vielleicht als etwas zu extrem beurteilt. Trotzdem funktioniert anscheinend diese Strategie, denn PETA hat schon viel für die Tiere und ihre Rechte geschafft. An dieser Stelle sollte man sich einfach fragen, ob der Zweck wirklich die Mittel heiligt. Darüber können die PhilosophInnen diskutieren. Das, was wir machen können, ist, aus unserer eigenen moralischen Sicht zu schätzen, ob eine Kampagne die eigentliche Botschaft gut überbringt oder sie irgendwo zwischen Skandal, Schock und den bekannten Gesichtern von Stars verliert.
